Dienstag, 4. Oktober 2016

Heute etwas frivol: der Puff

Liebe Freunde der gehobenen Sprache,

heute wagt sich der Sprachblogger einmal an Wörter, die manchen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Doch auch diese kleinen possierlichen Teilchen unseres Wortschatzes haben es verdient, unter die Lupe genommen zu werden.

Heute dreht sich alles um den Puff. Aber nicht etwa, wie man immer noch schamesrot meinen könnte im Sinne eines Synonyms für einen Knall oder einen dumpfen Stoß. Tatsächlich handelt es sich um den umgangssprachlichen Ausdruck für Bordell. Doch woher stammt dieser Begriff?

Die Bibliophilen (aber ja doch, auch die www-affinen Leser) finden die Erklärung dafür schnell
im Herkunftswörterbuch von Duden: Puff bezeichnete demnach zunächst ein Brettspiel mit Würfeln, bei dem der Klang der Würfel, wenn sie auf das Brett aufschlugen, dem mittelhochdeutschen buf (Stoß, dumpfes Geräusch) lautnachahmend namensgebend war. Wendungen wie "mit einer Dame Puff spielen" verhüllten dann im 18. Jahrhundert die tatsächlichen Vorgänge, woraus dann schließlich Puff = Bordell abgeleitet wurde. Vermutlich wirkte dabei auch die Bedeutung koitieren für puffen mit.

Wir lernen also: schon unseren Altvorderen wussten, was mit Sprache möglich ist.

Alles Gute für diese Woche,

Sebastian Kirchner


Montag, 19. September 2016

Auch so begeistert?

Liebe Freunde der Sprachpflege,

herzlich willkommen zurück nach der etwas längeren Sommerpause des Sprachbloggers. Auch wir warten schon sehnsüchtig darauf, die neuesten Fundstücke, Auffälligkeiten und Bemerkenswertes rund um die deutsche Sprache zu diskutieren.
Dazu nutzten die Sprachblogger intensiv die letzten Wochen und haben nun wieder Einiges im Repertoire, was besprechenswert ist.

Und nachdem wir schon ganz aufgeregt sind, diese Gedanken hier zu teilen, wollen wir auch eben genau mit dieser Begeisterung hier beginnen. Oder, etwas anspruchsvoller formuliert: wir stürzen uns mit vollem Enthusiasmus in die Arbeit. Und genau da fängt es an: sind wir nun Enthusiasten? Oder Enthusiasmen? Oder Enthusiasmierte?

Für diese Überlegung liefert auch dieses Mal wieder ein Beitrag auf n-tv.de die Vorlage:

"Nun sind sie dort, wo sie hinwollten. Und in ihrem ersten Heimspiel in der Bundesliga schlagen die Leipziger gleich Borussia Dortmund. Das enthusiasmierte Publikum sorgt für eine prächtige Stimmung. Mit Glück hat das wenig zu tun."
(Quelle: http://www.n-tv.de/sport/fussball/Abartige-Leipziger-nerven-den-BVB-article18613351.html)

Mal Hand aufs Herz: wer von Ihnen hatte bisher schon einmal das Wort "enthusiasmiert" gelesen? Geschweige denn, selbst gebraucht? Aber: wir wollen diesmal dem flotten und damit häufig auch flüchtigen Gebrauch der Sprache im Internet nicht Unrecht tun. Denn tatsächlich findet man bei duden.de die Legitimierung dafür.

Starten Sie also voller Euphorie in diese Woche,

Sebastian Kirchner

Montag, 25. Juli 2016

Sommerpause

Treue Leser,

der Sprachblogger verabschiedet sich in die Sommerpause. Aber natürlich gibt es noch ein kleines Augenzwinkern mit auf den Weg:




Geniessen Sie die Urlaubszeit,

Sebastian Kirchner

Montag, 18. Juli 2016

Sprachstück des Monats: Verjüngung

Werte Jungbrunnen,

Sie suchen nach einer Möglichkeit, sich um 3 Jahre zu verjüngen? Na dann sollten Sie sich einfach von der Polizei beschreiben lassen:


(Quelle: Günzburger Zeitung)

Wieder einmal gilt: doppelt lesen hält besser!

In diesem Sinne eine schöne Woche,

Sebastian Kirchner

Montag, 11. Juli 2016

Respekt!

An alle respektvollen und -losen Leser in dieser Runde!

Bitte gerade Haltung einnehmen, ordentlich hinsetzen und die Augen schärfen! Denn es geht um nicht weniger als den respektvollen Umgang mit unseren meist vierbeinigen Mitbewohnern, die zum Verzehr geeignet sind. Ja, Sie haben richtig gelesen: der respektvolle Umgang mit der Nahrung eines großen Teils der Bevölkerung beherrscht diesen Beitrag.

Nun gut, werden Sie sich vielleicht denken, das scheint Alltag zu sein und warum könnte es sich also lohnen, hier noch weiter zu lesen?

Na weil der respektvolle Umgang mit der tierischen Grammatik nicht so einfach ist. Glauben Sie nicht? Na dann lesen Sie doch selbst:

"Merkel fordert Respekt für Schweinebraten" (hier).

Ja und nun? Stimmt: wir sollten alle die Schweine stärker achten. Was würden wir nur ohne die possierlichen Tierchen machen, die uns immer wieder Grund für viele vergnügliche Bilder geben (jemand hat Schweineohren, er stinkt wie eine Sau, ich glaub mein Schwein pfeift, usw.) Oder vielleicht ist es ein Aufruf der Kanzlerin, mehr Schweinefleisch zu essen? Oder sollten wir gar generell mehr Braten essen, weil ihr das Schwein herzlich egal ist?

Lassen Sie uns Licht ins Dunkel dieser grammatischen Spitzfindigkeit bringen (Der ein oder andere von Ihnen wird beim Lesen dieser Schlagzeile von n-tv.de ja sowieso schon zusammengezuckt sein):
Natürlich muss es korrekterweise "Respekt vor ..." und nicht etwa "Respekt für ..." lauten.

Vermutlich hat das Uns-Angie auch so gesagt - mindestens aber gemeint. Niemand soll in diesem Land gezwungen werden, (Schweine-)fleisch zu konsumieren. Vielmehr geht es darum, den Schweinebraten zu achten, weil er (so meinte es vermutlich die Kanzlerin, der genaue Wortlaut geht aus dem Artikel leider nicht hervor) zur deutschen Kultur gehöre.

Also zusammengefasst: Respekt vor dem Schweinebraten - schließlich hat er es verdient!

Auf bald,

Sebastian Kirchner





Montag, 4. Juli 2016

Der Fußball und seine Sprache

Werte Fußballfreunde,

haben Sie auch das Spiel der deutschen Nationalmannschaft am vergangenen Samstag gesehen? Und glaubten Sie an einen Sieg oder fürchteten Sie eine Niederlage?

Inzwischen wissen wir glücklicherweise, wie der Elfmeterkrimi gegen Italien ausgegangen ist. Aber halt: Elfmeterkrimi? Reicht das in der Wortwahl aus, um das Drama kurz vor Mitternacht zu beschreiben? Müsste es nicht eher Elfmeter-Horror, Elfmeter-Thriller oder Elfmeter-Krieg lauten?

Sie ahnen es bereits. Der Sprachblogger will sich hier gar nicht über die sportlichen (Un-)Künste von Schweinsteiger & Co. unterhalten, sondern wieder einmal Anstoss nehmen an der unsäglichen Wortwahl der Medien.

Im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht ein Wort, das durch die Presselandschaft ging, aber aus Sicht des Sprachbloggers nun wirklich nichts mit Sport zu tun hat: die Todeshälfte. Dieser Begriff soll den Teil in den K.O.-Spielen nach der Gruppenphase bezeichnen, der als vermeintlich wesentlich schwieriger gilt.

Beispielsweise ist das hier bei n-tv oder hier bei BILD nachzulesen.

Schon bei der WM 2014 und im letzten Jahr geisterten Wörter durch die Fußballwelt, die aus sprachlicher Sicht nur höchst zweifelhaft für sportliche Zwecke dienen: Spezialkräfte, Blitzkrieg und tödlich.

Auch damals wies der Sprachblogger pflichtbewusst auf diesen Unsinn hin.

Daher nun noch einmal der Appell: Deutschland möge gewinnen, aber keinen Krieg sondern die Europameisterschaft! Dafür wünschen wir der Nationalmannschaft alles Gute!

Nächste Woche wissen wir mehr,
bis dahin eine friedliche Zeit,

Sebastian Kirchner






Montag, 27. Juni 2016

#BREXIT - Ein Begriff und dessen Etymologie

Liebe Europäer,

kaum ein Begriff prägte die Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen so sehr, wie der des #BREXIT.

Mittlerweile, da die Entscheidung zum Austritt Großbritanniens aus der EU gefallen ist, dürfte die reine Bedeutung klar sein.

Diese setzt sich aus den englischen Wörtern "Britain" und "exit" zusammen, also aus "Großbritannien" und "Ausstieg/Ausgang". Nun ja, passt wohl alles soweit...

Weniger bekannt dürfte allerdings sein, dass es sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht bei der Wortbildung von #BREXIT um ein sogenanntes Portmanteauwort handelt.

Portman...was???

Ein sogenanntes Portmanteauwort, oder auch Schachtelwort genanntes Kunstwort besteht aus mehreren Wörtern, die durch Überlappung zu einem Wort mit geänderter Bedeutung verschmolzen werden. Bekannte Beispiele hierfür sind Brunch ("breakfast" und "lunch"), oder auch jein ("ja" und "nein").

Wussten Sie übrigens, dass der #BREXIT eigentlich #BRIXIT heissen sollte, und nur aufgrund des zuvor drohenden #GREXITs umbenannt wurde?

Sehen Sie, schon wieder was gelernt!

Auf bald, und bleiben Sie in der EU...

Johannes August